Tomate - gewusst wie!

- nicht an Jungpflanze sparen
- für gute Nährstoffe sorgen
- nie von oben wässern
- lassen Sie die Pflanze nicht zu dicht wuchern

Ich hatte Ihnen versprochen etwas darüber zu berichten, wie wir unsere Spezialität, die diversen Tomatensorten, kultivieren. Im Grundsatz gilt für alle Sorten das Gleiche. Es ist also im Prinzip egal, ob Sie normale runde Tomaten, oder Minitomatensorten pflanzen.

Die wichtigste Entscheidung ist sicher die der Sortenwahl, da ist dann später nichts dran zu ändern. Dass wir nur Samen aus biologischer Vermehrung, sollte es diese nicht entsprechend unseren Vorstellungen geben, dann ungebeiztes Saatgut wählen, ist selbstverständlich. Wir achten darauf, dass die Sorte möglichst viele angezüchtete Resistenzen gegen Krankheiten hat.

Pflanzen, die aus gentechnisch verändertem Saatgut erzeugt werden sind natürlich verboten. Allerdings sind wir bei Tomaten leider noch sehr auf sogenannte Hybridsorten angewiesen. Sorten also, die einer gezielten Kreuzungen entstammen. Samenfeste Sorten wären besser. Von denen könnten wir eigenes Saatgut gewinnen und weiter kultivieren. Eine tolle Arbeit leistet die Bingenheimer Saatgut AG, die sich für die Vermehrung und Züchtung solcher Sorten einsetzt. Sie können ein umfangreiches Sortiment an Blumen und Gemüsesamen dort auch direkt beziehen. Alle Infos finden Sie unter
www.bingenheimersaatgut.de

Viele samenfesten Tomatensorten entsprechend aber nicht unseren Anforderungen. Sie dürfen nicht zu fest, aber auch nicht zu weich in der Schale sein. Sie müssen resistent gegen viele Krankheiten sein. Sie müssen auch etwas länger am Strauch hängen können ohne zu platzen. Und sie müssen natürlich schmecken. Aber bei der Ernte sind wir noch nicht.

Den Großteil unserer Tomaten säen wir nicht mehr selbst aus. Das machen spezialisierte Biobetriebe für uns. Dass ein Samenkorn schon schnell mal einen Euro kosten kann ist keine Seltenheit. Da kommt es also auf optimale Aussaatbedingungen an. Zudem lassen wir unsere Pflanzen veredeln. Dass heißt, auf eine Unterlage aus einer Wildtomate, die dann die Wurzel ausbildet, wird die edle Tomate aufgepfropft. Wildtomaten sind wüchsiger und resistent gegen sogenannte bodenbürtige Krankheiten. Tomaten können ja über viele Jahre auf den gleichen Platz gepflanzt werden, das mögen sie. Aber die Gefahr, dass bestimmte Krankheiten auftreten können ist da.

Diesen veredelten Tomaten wird dann noch sehr früh der Haupttrieb genommen, so dass sie zweitriebig weiter kultiviert werden können. So sparen wir Arbeit und eine Menge Kosten. Ungefähr vier Wochen vor der Pflanzung bekommen wir dann diese sogenannten Speedys (Minipflanzen). Damit sie sich bei uns eingewöhnen können pflanzen wir sie in größere Töpfe mit Bioerde um.

Bevor die Tomaten gepflanzt werden lassen wir die Erde auf ihren Nährstoffgehalt hin untersuchen. Tomaten brauchen schon etwas „unter die Füße“ um gut zu gedeihen. Dafür nutzen wir seit Jahren nur unseren eigenen Kompost, den wir aufwändig und sorgfältig vorbereiten. Haben Sie keinen eigenen Kompost, dann können Sie, wenn es nötig ist, andere organische Handelsdünger nutzen, z.B. Hornspäne. Die kann man in jedem Gartencenter kaufen und sie sind auch im Bioanbau zugelassen. Sie entfalten ihre Wirkung erst einige Wochen nachdem sie in den Boden eingebracht wurden. So steht den Pflanzen auch im Spätherbst noch genügend Stickstoff zur Verfügung. Aber Achtung, hier geht es nicht nach dem Motto „viel hilft viel“. Düngen Sie zuviel wächst die Pflanze vielleicht üppig, aber Früchte bildet sie dann weniger. Die Pflanze kann anfälliger gegen Blattkrankheiten werden, der Geschmack wird deutlich schlechter.

Wir pflanzen ca. 2,5 Pflanzen auf einen qm. Die Pflanzen sollten nicht zu lang sein, aber entscheidend ist das nicht. Tomaten wachsen sich schnell zurecht. Nach dem Pflanzen sollten Sie gut angegossen werden. Möglichst nicht von oben, sonder nur direkt am Boden. Das gilt für die ganze Saison. Wasser auf den Blätter fördert Pilzkrankheiten!!!

Damit die Pflanzen Halt bekommen haben wir oben im Gewächshaus Drähte befestigt. Dort wird ein Sisalband angebunden und unten kann man es locker an der Tomate selbst befestigen. Um dieses Band wird die Spitze der Tomate immer dann gedreht, wenn wir die Seitentriebe aus den Blattachseln brechen. Das nennt man entgeizen. Es sollte immer regelmäßig durchgeführt werden. Die Seitentriebe sollten nicht länger als 5 cm werden. Auch die Seitentriebe bilden Blüten und Früchte, aber die Pflanze insgesamt würde zu dicht. Auch das erhöht die Gefahr von Pilzbefall. Also immer schön entgeizen und die Pflanze gleichzeitig drehen. Minitomaten sind etwas wüchsiger, die sollten Sie gut bändigen.

Von Mitte April bis Mitte/ Ende Mai pflanzen wir verschiedene Sätze, sonst wäre die Arbeit für uns nicht zu bewältigen. Ca. acht Wochen nach der Pflanzung nehmen wir die unteren Blätter bis zum ersten Fruchtstand ab. Das bringt Luft in die Kulturen. Auch später kann man ohne Schaden Blätter abnehmen. Zehn bis zwölf Blattstände sollten immer stehen bleiben. Am besten führen Sie diese Arbeiten am Vormittag durch, wenn es schön sonnig ist. Die Wunden heilen dann besser. Schneiden sollten Sie direkt am Stängel!!



Scheint es uns nötig, dann spritzen wir mit Pflanzenstärkungsmittel. Zum Beispiel: Schachtelhalmextrakt. Die Firma
www.biofa-profi.de führt ein breites Sortiment. Und wir spritzen unser biologisch dynamisches Spritzpräparat, den Hornkiesel, aus. Es stärkt die Pflanzen, befördert die Reife, Aroma und Bekömmlichkeit unserer Früchte. Tierische Schädlinge, wie zum Beispiel die Weiße Fliege haben wir zum Glück höchst selten. Leichter Blattlausbefall durch die grüne Pfirsichblattlaus regelt sich eigentlich selbst. Aber sollten wir Hilfe gegen diese kleinen Plagegeister benötigen, dann gibt es Gegenspieler in der Natur, die uns helfen. Sogenannte Nützlinge. Die bestellen wir per Post. Dann kommen kleine Päckchen mit Tausenden von Schlupfwespen, Marienkäferlarven oder Raubmilben. Auch Sie als Privatmann können diese Form des Pflanzenschutzes praktizieren. Die chemische Keule ist nicht nötig. Nur etwas Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein waches Auge. Unter www.oere-bio-protect.de finden Sie die Helfer, die Sie brauchen.

Da Tomaten Windbestäuber sind und der im Gewächshaus fehlt, stellen wir Hummelvölker auf. Die erledigen dann mit leisem Brummen die Bestäubung. 10 bis 12 Wochen nach der Pflanzung können wir die ersten Früchte ernten. Dann gibt es orange, gelbe, schwarze, kleine und große, gaaanz dicke, eierförmige, längliche und Ochsenherztomaten. Dick, stark gerippt und sehr lecker!!

Je weiter die Ernte fortschreitet desto weniger Wasser geben wir den Pflanzen. Zuviel Wasser geht zu Lasten des Geschmacks und kann, gegen Ende der Saison, das Platzen der Früchte verursachen.

Hat die Pflanze acht bis neun Fruchtstände ausgebildet, dann schneiden wir sie über dem letzen Fruchtstand ab. Ohne Heizung würden die Früchte in der Spitze nicht mehr reif bevor der Winter kommt. Mit entsprechender Wärme und bei langer Kulturführung können Tomaten durchaus 10 Meter lang werden. Aber bei uns ist nach drei Metern Schluss.

Selbstverständlich können Sie bei während der Erntesaison Tomaten bei uns im Hofladen kaufen. Der Großteil der Ernte geht allerdings an verschiedene Biogroßhändler, die sie dann auf schnellstem Wege in die Fachgeschäfte bringen. Meist wird es Mitte November bis wir die Gewächshäuser geräumt haben. Die Tomaten landen dann samt Wurzel und Halteschnur auf dem Komposthaufen, wo sie sich, gemischt mit Mist und Erde, zu wunderbarem Kompost verwandeln.

So kultivieren wir ca. 18.000 Tomaten in 15 bis 20 Sorten. Von Mitte Juli bis Mitte November sind es dann viele tausend Kilo, die den Betrieb verlassen. Sollten Sie weitere Tipps für Ihre Tomaten brauchen, dann melden Sie sich gerne, aber das Meiste habe ich Ihnen schon verraten. Gutes Wetter und eine Portion Glück gehören für eine erfolgreiche Ernte auf jeden Fall dazu.